Wie aus einer Idee Europas größte Secondhand-Plattform wurde – Learnings von Vinted-Mitgründerin Milda Mitkutė

 

Milda Mitkutė, Co-Founderin von Vinted, Investorin & Unternehmerin

 

Was braucht es, um aus einer Idee Europas größten Secondhand-Marktplatz für Mode aufzubauen? Im Businettes Live Talk sprach Vinted-Mitgründerin Milda Mitkutė offen über ihre unternehmerische Reise – von den ersten Schritten als Gründerin über schwierige Wachstumsphasen bis hin zu ihrer heutigen Rolle als Investorin und Mentorin.

Dabei wurde schnell klar: Hinter dem Erfolg stehen keine Abkürzungen, sondern Neugier, Ausdauer und die Bereitschaft, ständig zu lernen.

Hier sind die wichtigsten Learnings aus der Session:

1. Gründe ein Unternehmen, das dich wirklich begeistert

Für Milda beginnt jedes erfolgreiche Unternehmen mit einem Problem, das man selbst unbedingt lösen möchte. Bevor sie eine Idee weiterverfolgt, stellt sie sich eine einfache Frage: "Bei welcher Idee schlägt mein Herz am stärksten?"

Denn gerade in schwierigen Phasen reicht eine gute Geschäftsidee allein nicht aus. Wer langfristig durchhalten möchte, braucht einen echten persönlichen Antrieb.

👉 Für Gründerinnen bedeutet das: Wähle nicht die vermeintlich lukrativste Idee, sondern die, für die du auch an schwierigen Tagen bereit bist, die Extrameile zu gehen.

2. Weniger Druck kann bessere Entscheidungen ermöglichen

Vinted entstand zunächst nicht als klassisches Startup mit schnellem Wachstumsdruck. Die Gründer arbeiteten in den ersten Jahren nebenbei weiter in ihren Vollzeitjobs und entwickelten die Plattform Schritt für Schritt.

Dadurch konnten sie sich zunächst vollständig auf das Produkt konzentrieren, ohne sofort den perfekten Business Case oder schnelle Umsätze liefern zu müssen.

👉 Das Learning: Nicht jedes Unternehmen muss vom ersten Tag an maximal wachsen. Wer sich Zeit nimmt, kann oft nachhaltigere Entscheidungen treffen.

3. Höre auf deine Zielgruppe – nicht auf alle anderen

Als Vinted startete, waren viele Außenstehende skeptisch. Statt sich davon verunsichern zu lassen, konzentrierte sich Milda auf das Feedback der eigentlichen Nutzerinnen.

Diese liebten das Produkt, nutzten es intensiv und empfahlen es weiter. Genau dieses Feedback war für das Team entscheidender als die Meinungen von Menschen, die gar nicht zur Zielgruppe gehörten.

👉 Für Gründerinnen: Das wertvollste Feedback kommt von den Menschen, die dein Produkt tatsächlich nutzen sollen.

4. Produkt vor Marketing

Einer der größten Fehler vieler Startups besteht laut Milda darin, zu früh skalieren zu wollen.

Bevor größere Marketingbudgets eingesetzt werden, sollte zuerst der Product-Market-Fit stimmen. Erst wenn Kund das Produkt wirklich lieben und regelmäßig nutzen, lohnt sich der Ausbau.

Bei Vinted kamen die ersten Millionen Nutzer fast ausschließlich durch Empfehlungen – ganz ohne große Marketingbudgets.

👉 Das Learning: Ein starkes Produkt ist die beste Marketingstrategie.

5. "Done is better than perfect"

Perfektionismus kann Innovation ausbremsen.

Bei Vinted wurden neue Funktionen möglichst früh veröffentlicht – oft noch unfertig. Anschließend sammelte das Team Feedback, verbesserte die Funktion und entwickelte sie weiter.

Anstatt monatelang im Verborgenen zu entwickeln, wurde kontinuierlich getestet und gelernt.

👉 Für Gründerinnen: Lieber früh launchen und echtes Feedback erhalten, als monatelang auf den perfekten Moment zu warten.

6. Product-Market-Fit erkennt man an den richtigen Signalen

Viele Gründer fragen sich, wann sie ihren Product-Market-Fit erreicht haben.

Für Milda waren dabei mehrere Faktoren entscheidend:

  • hohe Wiederkehrraten der Nutzer

  • starke Weiterempfehlungen

  • organisches Wachstum

  • überdurchschnittliche Nutzungszahlen im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche

Besonders wichtig war für sie das organische Wachstum: Menschen erzählten anderen freiwillig von Vinted.

👉 Das Learning: Product-Market-Fit zeigt sich nicht nur im Umsatz, sondern vor allem darin, dass Nutzer dein Produkt lieben und weiterempfehlen.

7. Externe Expertise kann den entscheidenden Unterschied machen

Trotz des erfolgreichen Produkts geriet Vinted später in eine schwierige Phase. Das Unternehmen wuchs stark, fand jedoch zunächst kein funktionierendes Geschäftsmodell.

Erst ein externer Berater brachte einen neuen Blick auf die Situation und half dabei, das Monetarisierungsmodell grundlegend zu verändern. Gleichzeitig investierte Vinted deutlich stärker in Marketing und internationale Expansion.

👉 Für Gründerinnen: Man muss nicht jede Herausforderung allein lösen. Externe Perspektiven können helfen, blinde Flecken zu erkennen.

8. Nicht jede Gründerin muss alles können

Mit dem Wachstum eines Unternehmens verändern sich auch die Anforderungen an das Team.

Milda beschreibt sich selbst als typische Gründerpersönlichkeit: Sie liebt den Aufbau neuer Ideen, Visionen und Produkte. Themen wie Optimierung oder Skalierung überlässt sie lieber Menschen, die genau darin ihre Stärke haben.

👉 Das Learning: Gute Gründerinnen müssen nicht in jeder Unternehmensphase dieselbe Rolle übernehmen. Entscheidend ist, die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt ins Team zu holen.

9. Als Investorin achtet sie zuerst auf das Team

Heute investiert Milda selbst in Startups. Dabei schaut sie deutlich weniger auf die Idee als auf die Menschen dahinter.

Besonders wichtig sind für sie:

  • Teamfähigkeit statt Ego

  • Motivation und Durchhaltevermögen

  • Lernbereitschaft

  • eine klare Vision

  • die Fähigkeit, sich in Kund hineinzuversetzen

Außerdem unterscheidet sie zwischen Gründer, die sich in ihre Lösung verliebt haben, und solchen, die wirklich ein Problem lösen möchten.

👉 Für Gründerinnen: Verliebe dich nicht in dein Produkt, sondern in das Problem, das du lösen möchtest.

10. Du musst nicht jeden Kampf kämpfen

Zum Abschluss teilte Milda einen Rat, den sie ihrer 21-jährigen Gründerin-Version heute geben würde:

Nicht jede Gelegenheit muss genutzt werden. Nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig.

Immer wenn sie merkt, dass sie kurz vor einem Burnout steht, setzt sie sich hin, streicht konsequent Aufgaben von ihrer Liste und konzentriert sich auf maximal drei Prioritäten.

👉 Ihr wichtigstes Learning: Fokus ist oft wertvoller als noch mehr Einsatz.

Milda Mitkutės Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass erfolgreiche Unternehmen selten über Nacht entstehen. Stattdessen sind es konsequentes Lernen, ehrliches Nutzerfeedback, Mut zum Ausprobieren und die Bereitschaft, den eigenen Kurs immer wieder anzupassen, die langfristigen Erfolg möglich machen. Für Gründerinnen ist das vielleicht die wichtigste Botschaft der gesamten Session: Nicht Perfektion bringt dich weiter – sondern kontinuierliches Lernen und Handeln.

 

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Claire Siegert